Zehn Fragen an Corinna

 

1. Du hast deine Ausbildung zur KFZ-Mechatronikerin abgeschlossen und warst zufrieden in deinem Beruf. Warum wolltest du doch noch studieren?


Ja, ich habe meinen Job geliebt, aber ich wollte mehr. Ich hatte damals den Traum, im Motorsport zu arbeiten. Der beste Weg dahin führt über ein Fahrzeugbaustudium.


2. Musstest du als 15-jähriges Mädchen viele Bewerbungen schreiben, bis du den Ausbildungsplatz in der Werkstatt bekommen hast?


Ich habe tatsächlich einige Absagen bekommen, weil viele Werkstätten keine sanitären Anlagen und Umkleideräume für Frauen hatten. Bei meiner Werkstatt hatte ich auch keinen „richtigen“ Umkleideraum, sondern ein Besprechungszimmer und ich musste die Damentoilette im Kundenbereich nutzen. Das ging für mich aber klar.


3. Die Autowerkstatt ist nach wie vor von Männern dominiert. Wie bist du da als junge Frau zurecht gekommen?


Mittlerweile arbeiten, im Vergleich zu damals, schon recht viele Mädels in den Werkstätten.

Damals war ich wirklich die Ausnahme, aber ich habe nie ein Problem damit gehabt. Für mich war es das Normalste der Welt, aber für alle anderen scheinbar nicht.

4. Wie hat dein Umfeld auf die Idee, nochmal die Schulbank zu drücken, reagiert?


Das war für alle vollkommen okay. Es gab keine besonderen Reaktionen, die mir in Erinnerung geblieben wären. Ich hatte ja ein konkretes Ziel vor Augen und das wusste mein Umfeld.


5. Du hast dein Fachabi auf einer Berufsschule nachgeholt. Hast du das Gefühl, dass du es schwerer als andere hattest, weil du nicht auf einem Gymnasium warst?


Ich denke es liegt an einem selbst, wie schwer oder einfach man es sich macht. Sich mit anderen zu vergleichen ist total sinnlos und ich habe versucht, das nicht zu machen. Ich habe mich einfach auf das konzentriert, was gerade anstand. Mit allem, was dazu gehörte.


6. In welchen Situationen hattest du das Gefühl, dass an dich geglaubt wird?


Tatsächlich hatte ich immer das Gefühl, dass die Leute, die mir wichtig sind, an mich geglaubt haben. Häufig sogar mehr, als ich selbst.


7. In welchen Situationen hattest du das Gefühl, dass nicht an dich geglaubt wird?


Ich kann mich an eine Situation in der achten Klasse erinnern. Ich hatte in Chemie eine Fünf geschrieben und meine Klassenlehrerin sagte mir, damit könne ich wohl keine KFZ-Mechatronikerin werden. Das hat schon gesessen, weil sie da plötzlich mein ganz persönliches Ziel in Frage gestellt hat. Heute kommt es mir total absurd vor. Es war ja nur ein popeliger Chemietest. Aber solche Aussagen können eben schon etwas ausmachen in dem Alter.


8. Hattest du an der Uni Schwierigkeiten, die deine Kommiliton:innen nicht hatten?


Ja. Man hat den Unterschied zwischen den Leuten, die direkt von der Schule kamen und Abi hatten, zu denen, die vorher gearbeitet haben, gespürt. Das Lernen fiel vielen von uns deutlich schwerer. Dadurch, dass ich nach meiner Ausbildung nur ein Jahr zur Schule gegangen bin, um mein Fachabi nachzuholen, hat mir einfach diese Lernroutine gefehlt. Ich war damals ja schon seit vier Jahren nicht mehr in der Schule und musste nie für eine krasse Abiprüfung oder so lernen. Dementsprechend ist mir das Lernen für die Uniprüfungen am Anfang echt schwergefallen. Liegt aber auch an mir - ich wollte halt lieber arbeiten.


9. Was hätte dir geholfen, um diese Schwierigkeiten zu überwinden?


Ich glaube, ich hätte mir nur selbst helfen können. Ich höre selten auf andere. Man bekommt viel erzählt, aber ich denke, am Ende kann man nur aus seinen eigenen Erfahrungen lernen und daran wachsen.


10. Welche Rolle hat dein Studium bei deiner Herkunftsfamilie gespielt?


Weder meine Eltern noch meine Schwester haben studiert, dementsprechend war es neu für uns alle. Aber sie haben sich da gut eingefunden. Wenn ich über die Uni abgekotzt habe, waren sie immer auf meiner Seite und standen hinter mir. Zur Schulzeit war es ja eher so: Wenn man eine schlechte Note geschrieben hat, hieß es: "Dann musst du einfach mehr lernen!" Da konnten sie mitreden, weil sie selbst zur Schule gegangen sind. Solche Ratschläge habe ich zur Unizeit zum Glück nie bekommen. Genau wie die Frage, wann ich endlich mal fertig bin. Die kam zum Glück auch nie.