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Herz aus Gold

Aktualisiert: Nov 17

An Schulen wie meiner sagt man den Schüler:innen meistens nach, verantwortungslos oder wenigstens unzuverlässig zu sein. Das kommt daher, dass Absprachen oft nicht eingehalten, Materialien nicht mitgebracht und gute Vorsätze frühzeitig über Bord geworfen werden. Unentschuldigte Fehltage häufen sich, die erste Stunde wird als Gleitzeit verstanden und alles, was die Lehrkraft als Antwort auf lange Monologe und moralische Zeigefinger bekommt, ist dann ein Schulterzucken.

Was aber nach „Ladenschluss“ (aka. nach dem letzten Klingeln) passiert, bleibt der allgemeinen Öffentlichkeit meistens verborgen. Wenn sich die 29-köpfige Klasse raus aus dem Klassenzimmer schiebt, um dann nach und nach auseinander zu driften, wie Regentropfen auf der Windschutzscheibe. Dann sieht man Zweier- oder Dreiergespanne in den Nachmittag laufen und alles Unverbindliche zurücklassen. Denn was viele, von denen die meisten nichts mehr erwarten, wirklich drauf haben, ist Freund und Freundin sein. Ich habe selten so viel Gönnung, so wenig Neid und so viel lautstark verkündete Anerkennung gegenüber Freund:innen erlebt, wie bei den Kids, die den moralischen Kompass angeblich so falsch eingestellt haben.

Und deswegen hat es mich auch nicht gewundert, was ich gestern gelesen habe, nachdem meine Kollegin eine ihrer Stunden dazu genutzt hat, um ein paar positive Vibes im Klassenzimmer zu verbreiten. Jeder und jede hat einen Zettel bekommen, auf dem wiederum alle anderen reihum etwas Positives über die Person geschrieben haben. Was da stand, war so schön und so empowernd, dass ich nicht aufhören wollte zu lesen und gerade als ich dachte, es könnte nicht schöner werden, da las ich auf Violetas Zettel: Du hast ein Herz aus Gold.

Das können sie. Freunde sein.

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