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Warum das Arbeiterkind einen neuen Namen braucht

Arbeiterkind – Das klingt nach Hosenträgern, dreckigem Leinenhemd, verkohlten Wangen. Das klingt nach Kind eines Vaters, der Kohle aus der Zeche schleppt und einer Mutter in Schürze, die aus den letzten Resten noch eine Kartoffelsuppe kocht. Dabei meint der Begriff auch mich und viele meiner Freund:innen, die mit diesem plakativen Bild einer vom Elend geplagten gesellschaftlichen Klasse gar nichts mehr zu tun haben.

Der Begriff findet daher auch kaum mehr Anwendung, außer in einem bestimmten Kontext: In der Uni. Arbeiterkinder sind hier Studierende, deren Eltern keine Akademiker:innen sind. Es ist also egal, ob man das Kind vom Bergarbeiter, des Versicherungsfachangestellten, der Hausmeisterin, der Krankenschwester oder dem Sachbearbeiter ist.

Von diesen sogenannten Arbeiterkindern gibt es an der Uni einige und nahezu alle schlagen sich mit den gleichen Problemen herum, weil Bildungschancen immer noch zu einem viel zu großen Teil von der eigenen Herkunft abhängig sind.


Von dem Begriff soll sich die benachteiligte Gruppe angesprochen fühlen.

Ich beobachte aber gerade bei Bildungsaufsteiger:innen immer wieder, wie schwer es ihnen fällt, sich mit ihm zu identifizieren. Da kommt dann ganz klassisch die Frage, ob man sich denn eigentlich so nennen darf? Denn es ging ihnen ja gar nicht schlecht genug. Wieso also eine Extrawurst verlangen?

An der Uni bedeutet aber eben vor allem diese eine Trennlinie sehr viel: Nicht-Akademiker:innenkinder haben einfach nicht die gleichen Voraussetzungen und somit auch nicht die gleichen Chancen wie Akademiker:innenkinder.

Der Begriff Arbeiterkind verbindet nicht, er schafft Distanz. Er lädt nicht ein zur Zugehörigkeit, sondern schreckt ab. Das Kind braucht einen neuen Namen, oder es bleibt weiter unerkannt.

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